In der Zeit vom 1. März bis zum 31. Mai werden überall im Land wieder Betriebsräte für weitere vier Jahre gewählt. Viele haben sich intensiv in den Wahlkampf geschmissen und mussten dabei nicht nur gegen etwaige Konkurrenz um die begehrten Plätze als ordentliches Betriebsratsmitglied, sondern auch um eine einigermaßen akzeptable Wahlbeteiligung in Corona- und Homeofficezeiten kämpfen. Für mich als langjährigen Betriebsrat und heutigen Betriebsratsberater die genau richtige Gelegenheit, um einmal laut und vernehmbar: „Danke“ Zu sagen!
Nicht für alle Kolleginnen und Kollegen geht es weiter nach der Wahl. Manche gehen in den verdienten Ruhestand und treten daher nicht wieder an. Andere zollen der teilweise irren Arbeitslast Tribut und nehmen Abstand von einer weiteren Amtszeit. Wiederum Andere werden schlicht nicht wiedergewählt, obwohl sie sich das erhofft und vielfach es sicher auch verdient gehabt hätten. Ihnen darf ich, aber dürfen auch die von ihnen bis hierhin vertretenen Kolleginnen und Kollegen „Danke“ sagen.
Manch einer hat sich in den letzten vier Jahren nahezu ein Bein aus- oder auch den viel zitierten Arsch aufgerissen, weil größere Anforderungen zu bewältigen waren, etwa Personalabbau, Umstrukturierungen, Standortverlagerungen und Schließungen. „Danke“ an Euch, die Ihr vielfach mit Eurer Gesundheit, Eurem inneren Frieden oder auch „nur“ mit Verzicht auf Freizeit und Privatleben einen hohen Preis dafür gezahlt haben, für die Beschäftigten attraktive und sichere Arbeitsplätze zu erkämpfen!
Viele haben als Vorsitzende das Team gesteuert und zusammengehalten, waren dabei Dirigent und Stratege, Kummerkasten und Quaterback, Rampensau und Verhandlungsführer, erste Verteidigungsbastion und letzte Instanz bei Konflikten und haben sich nicht geschont und eine sehr hohe Verantwortung übernommen. „Danke“ an Euch Vorsitzende, dass Ihr den Laden geschmissen habt!
Die stellvertretenden Vorsitzenden waren wieder mal Staubsauger, Einspringer und linke Hand von den Frontleuten, mussten immer da sein und waren auch immer da, mussten vielfach den Rücken freihalten, einspringen oder gar im Laufe der Amtszeit das Ruder übernehmen und nicht selten höchste Loylität und Flexibilität zeigen. „Danke“ an Euch, Batman ist nichts ohne Robin, der Sheriff ist nichts ohne den Deputy, die Vorsitzenden nichts ohne ihre Stellvertreter.
Viele Kolleginnen und Kollegen in den Betriebsräten sind „stille Helden“, sie arbeiten den Gremien oder auch den Vorsitzenden zu, in dem sie in Ausschüssen tonnenweise Unterlagen des Arbeitgeber crunchen, Grundsätze und Positionen erarbeiten und dafür sorgen, dass der Betriebsrat auch in verschiedensten Fachfragen gegenüber dem Arbeitgeber und der Belegschaft sprechfähig ist. „Danke“ an Euch in der zweiten und dritten Reihe für Euren wertvollen Beitrag zum Ganzen, der vielfach gar nicht sichtbar ist!
Und da gibt’s auch noch die Spezialisten, bei denen alle – auch im Betriebsrat – nur staunend bewundern können, wie tief sie sich in Materien eingearbeitet haben, die für Normalsterbliche mindestens komplex, manchmal auch ungeliebt oder langweilig anmuten. Etwa diejenigen, die sich mit den IT-Fragen beschäftigen, mit den komplexen Anforderungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes oder vielen anderen Spezialthemen. „Danke“, dass Ihr genau diese Arbeit macht!
Erwähnenswert sind auch die Kolleginnen und Kollegen, die sich des sozialen Miteinanders im Betrieb annehmen, etwa der Ausgestaltung von Sozialleistungen oder auch der Organisation von Betriebsfeiern oder ähnlichem. Betriebsräte, die sich der besonderen Anliegen von schwerbehinderten Kolleginnen und Kollegen vertieft annehmen und in dieser Funktion den guten Draht zur SBV halten. Kolleginnen und Kollegen, die sich den Bildungs- und Ausbildungsfragen zuwenden, für die Wahl von Jugend- und Auszubildenden, nach meiner tiefen Überzeugung die wichtigste Nachwuchsschmiede des Betriebsrats – sorgen und den JAVen unter die Arme greifen und ihnen und den jungen Einsteigern ins Berufsleben helfen – „Danke“ an Euch alle, ohne Euch stünde das Unternehmen, seine Beschäftigten und der Betriebsrat wesentlich schlechter dar!
Nur sehr wenige Kolleginnen und Kollegen reden offen darüber, mal Hilfe vom Betriebsrat in Einzelfällen gebraucht zu haben. Viele wollen nicht, dass ihre Nähe zum Betriebsrat bemerkt wird, Andere haben ein Problem damit, dass überhaupt bekannt wird, dass sie zur Lösung ihrer Probleme Hilfe in Anspruch nehmen mussten. Bei wiederum Anderen ist die Natur ihrer Probleme so, dass sie nicht in die Öffentlichkeit gehören. Und doch – viele Betriebsräte wirken im Verborgenen und klären Einzelfälle mit dem Arbeitgeber ab, kämpfen für Einzelne um mehr Geld, eine angemessene Behandlung bei der Stellenbesetzung, Einarbeitung oder Qualifikation, für gute Ausscheideregelungen, für ihre Übernahme in ein festes Arbeitsverhältnis, für den Ausgleich in Konfliktsituationen und viele andere Wechselfälle des Berufslebens. Es ist eine nahezu schreiende Ungerechtigkeit, dass dieser ganze Aufwand zwar von dem Einzelnen gesehen, von der Betriebsöffentlichkeit aber meist unbemerkt bleibt. Höchste Zeit, einmal laut „Danke“ zu sagen an all diejenigen Kolleginnen und Kollegen in den Betriebsräten, die im Verborgenen wirken und einzelnen Kolleginnen und Kollegen helfen!
„Danke“ auch an die vielen zuarbeitenden Kräfte! Angefangen von dem Büro- oder Assistenzpersonal über die bei den Arbeitgebern für die Zusammenarbeit mit den Betriebsräten Zuständigen bis hin zu den Gewerkschaften, Anwälten, Schulungsdienstleistern und – der Esel nennt sich stets zuletzt – dem emsigen Volk der Betriebsratsberaterinnen und Beratern!
Einer meiner frühesten JAV- und Betriebsratsmentoren hat mir ganz am Anfang meiner Laufbahn als Interessenvertreter mal gesagt: „JAV oder Betriebsrat sein – das ist wie eine Tüte Chips. Du kannst nein sagen und es ignorieren, und manchen bedeutet das nicht viel. Wenn Du aber einmal reingegriffen hast, dann kannst Du nicht wieder aufhören!“
Betriebsräte, JAVen und SBVen stellen sich und übernehmen Verantwortung für die Kolleginnen und Kollegen. Sie sind Bewahrer und Verteidiger des so wichtigen Solidaritätsgedankens und der Arbeitnehmerrechte. Sie sind das upgrade für die Beschäftigten in der Wahrnehmung ihrer Interessen. Was wären Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland ohne Betriebsräte und die Gewerkschaften? Das ist vielen gar nicht klar genug!
Und noch immer müssen viele um jeden Fußbreit Boden kämpfen, etwa wie bei Gorillas, um einen Betriebsrat wählen zu können oder im Automobilbereich, wo in den Unternehmen der Hersteller und Zulieferer vielfach erheblicher Druck auf die Arbeitsplätze besteht, bei den Werften, in der Energie- und Verkehrswirtschaft, den Medien- und Gesundheitsbranchen und in vielen vielen anderen Bereichen.
Dabei machen sie Erfahrungen, die außergewöhnlich vielfältig sind und oft weit über das normale nine-to-five hinausgehen. Sie zahlen für ihr Engagement oft einen hohen Preis, aber ihnen gebührt auch eine besondere Anerkennung. Mein letztes „Danke“ also geht an Euch da draußen, die wieder zur Wahl antreten und sich um Wählerstimmen bewerben, um weitere vier Jahre die Knochen für Eure Belegschaft hinzuhalten!
Ob Ihr die Wahl gewinnt oder es vielleicht nur für eine Ersatzmitgliedschaft reicht, ob Ihr Funktionen in der ersten Reihe übernehmt oder vielleicht eher zuarbeitende Kräfte seid, Ihr habt den Respekt und die Anerkennung Eurer Kolleginnen und Kollegen verdient! Meine jedenfalls habt Ihr, und ich wünsche Euch nur das Allerbeste für die Wahl, vor allem eine hohe Wahlbeteiligung und eine erfolgreiche Amtszeit!
Und wenn der Schuh mal drückt, wenn Ihr Qualifikation für die neu gewählten Betriebsräte braucht, Strategieworkshops oder auch Unterstützung in ganz konkreten Fällen – dann gibt’s da noch mich und die 360 Grad Betriebsrat Consulting GmbH. Konsequent arbeitnehmerorientiert, engagiert und kenntnisreich stehe ich parat, um Euch Betriebsräten dabei zu helfen, einen noch besseren Job zu machen!
Insoweit freue ich mich auf unsere Zusammenarbeit in den nächsten Jahren. Für die nun kommenden Betriebsratswahlen aber rufe ich Euch erstmal zu: Toi, toi, toi!


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